Regenerative/ Revitalisierende Endodontie


Bei Kindern und Jugendlichen kommt es häufig zu Verletzungen der vorderen Schneidezähne. Dieses sogenannte Frontzahntrauma mit Absterben des Zahnnerves stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar, weil in diesem Alter das Wurzelwachstum der bleibenden Zähne noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Somit sind nachfolgende Komplikationen und Misserfolge bei der Wurzelbehandlung keine Seltenheit.

Im linken Röntgenbild sieht man die vorderen Schneidezähne eines achtjährigen Kindes. Die Wurzelspitze ist noch nicht vollständig ausgebildet. Im rechten Röntgenbild ist die voll ausgebildete Wurzelspitze eines Erwachsenen zu sehen.

 

Bislang wurde versucht, mit Einlagen von Calciumhydroxid über mindestens 1 Jahr lang den Wurzelkanal an der Spitze zu verschließen. Durch die lange Behandlungszeit und die unvorhersehbare Mitarbeit des Patienten kam es oft zu Misserfolgen. Alternativ kann die Wurzelspitze mit einem biokompatiblen und bioaktiven Zement (MTA) verschlossen werden.

 

Allerdings ist bei beiden Verfahren die Zunahme der Dentinwandstärke im Bereich der Wurzel nicht wirklich ausreichend. Der Zahn ist somit stark frakturgefährdet.

 

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, wird heute versucht, mit regenerativen/ revitalisierenden Verfahren den Zahn quasi „wiederzubeleben“. Dies bietet die Chance auf weiteres Wurzellängenwachstum inklusive einer Zunahme der Wandstärke und bestenfalls  wiederkehrender Sensibilität.

 

Risiken und Voraussetzungen

Da die „Regenerative Endodontie“ erst zögerlich Eingang in die reguläre Behandlung gefunden hat, existiert bisher kein einheitliches Behandlungsprotokoll.

Voraussetzung für einen Behandlungserfolg und damit das Einsprossen von neuem vitalem Gewebe in die Zahnwurzel ist:

 

1.   eine weit offene Wurzelspitze (Apex) mit mindestens 1-2 mm Durchmesser

2.   die Existenz von Stammzellen mit regenerativem Potenzial in der Apexregion

3.   keine mechanische Vorbehandlung der Kanalinnenwände

 

Entsprechende Risiken müssen in der Regel mit den Eltern sorgfältig besprochen werden, um dem jungen Patienten eine adäquate Therapie zu ermöglichen.

Bei Auftreten von Schmerzen, Mobilität, Aufbissempfindlichkeit oder Verfärbungen der Zahnkrone muss von einem Misserfolg ausgegangen und auf die herkömmliche Therapie gewechselt werden.